Wenn man etwas nicht braucht in Odessa, dann ist es ein Auto! Der gnadenlose Verkehr macht einen total kirre. Wir waren sehr erleichtert als wir den Wagen nach einer Wahnsinnstour von Süden kommend durch Odessa am Flughafen im Nordwesten wieder abgegeben hatten. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob italienische Städte wirklich schlimmer zu befahren waren.

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Als gute Deutsche hatten wir noch einmal vor der Rückgabe des Autos das Kleingedruckte im Mietvertrag gelesen. Nicht, dass wir nicht schon genug damit zu tun hatten, irgendwie zum Abgabeort zu kommen, nein, wir haben dann noch im dicksten Verkehr eine Tankstelle zum Volltanken und eine Waschanlage gesucht. Letzteres, damit die Mietwagencompany alle Krimkratzer besser erkennen kann, aber sie wurde für uns zu einem wirklich ergreifenden Erlebnis. Zwei Jungs haben den Wagen gründlich mit Wasser abgespritzt, schampooniert, abgespritzt, mit was weiß ich für einer Flüssigkeit eingerieben, wieder abgespritzt und dann mit zarten Händen blank poliert. Das alles, ohne dass wir ein Wort voneinander verstanden haben, und für etwa 4,50 Euro. Beschämend.

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Wie lange ist es her, dass ich in Odessa war? Drei Jahre, vier Jahre? Unglaublich, was sich in dieser Zeit alles verändert hat. Die Stadt ist auf einmal voller Supermärkte, die auch Einheimische nutzen. Eine Touribude jagt die nächste. 2006, bei meinem ersten Besuch, haben wir noch verzweifelt nach Mitbringseln gesucht. Es gibt jetzt mehrere Touristeninfos. An vielen Stellen werden Ausflüge angeboten. Unter anderem zu den Katakomben, die wir vor sieben Jahren echt haben suchen müssen.

Am Flughafen gibt es einen richtigen Taxistand, an dem feste Preise für die Fahrten in die Stadt aufgerufen werden. Die Abzocktaxis stehen heute am Bahnhof und auf der Hafenmole.

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Haufenweise haben sehr schöne neue Restaurants aufgemacht! Selbst die Wege zu den Stränden sind andere geworden. Auf dem Weg zum Stadtstrand Lanscheron stolpert man nun über das neue Stadion von Tschernomorjez Odessa. Hey, früher war es irgendwo verhuscht und heruntergekommen in den Büschen versteckt. Heute ist es eine Gltzerbude im neurusischen Stil mit Hotel und Businesscenter. Und wenn man’s weiß, sogar vom Fähranleger aus zu sehen.

Die neuen großen Juweliergeschäfte auf der Preobaschinska und Katharinska sind merkwürdig, aber dass der Abriss des Hotels Spartak auf der Deribasowka keinen fürchterlichen Neubau nach sich gezogen hat, ist aller Ehren wert. Die Fläche wird einvernehmlich von einem Cafe, einem kleinem Markt und Schaugeschäften genutzt.

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Die Ukraine wird ukrainischer und gleichzeitig europäischer. Alle Straßenschilder, die früher in der Innenstadt die Namen auf russischkyrillisch oder auf russischkyrillisch und lateinisch trugen, sind umbenannt in ukrainischkyrillisch. Der Kleidungsfarben wandeln sich von putinblass zu kräftigeren Farben. Die extremen High Heels tauchen weniger im Stadtbild auf.

Was mir zwischenzeitlich mal Sorgen bereitete, war, dass ich dreimal Mal hintereinander eine russische Speisekarte vorgelegt bekommen habe und keine englische. Habe danach mein Auftreten radikal geändert und nur noch Englisch gesprochen – außer mit den Damen hinter der Hotelrezeption, weil wir in der Zimmernummer einen kleinen Dreher hatten. Ich glaube, sie mögen mein schlecht ausgesprochenes „dwjestotrizatjschest“.

Mehr zu Odessa später. Die Koffer sind gepackt, das Zimmermädchen will mein Zimmer putzen und ich ein Frühstück in einem neuen Cafe testen.

Danke für die Winkaktionen und die Screenshots!

Odessa-Fotos auf Flickr

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